Grundmuster Plädoyer

Im streitig gebliebenen Fall MUSS die Zeit für ein gutes, ausführliches und strukturiertes Plädoyer sein! Selbst bei negativem Beweisergebnis kann eine Einstellung erreicht werden!

Falls nicht wirklich sofort möglich: 20 Min. Unterbrechung zur Vorbereitung beantragen! Ggf.: Keine Scheu, eine weitere Unterbrechung für Hilfsbeweisanträge zu beantragen!

A. Start und Einleitung

Hohes Gericht, Sehr geehrter Herr Kollege / Frau Kollegin der Staatsanwaltschaft…

Knapp Ausgangslage aus Sicht der StA rekapitulieren: Kritisches ist bereits angestrichen! auf Anklageschrift / Strafbefehl / II. Instanz: Urteil. Dieses wiederholen (außer in HV soeben besprochen – dann kürzen) (bzw. individuelle Einleitung)

B. Wie stellt sich die Lage nach der HV dar?

I. Einlassung des Herrn / des Angekl.!: Danach (-) strafbar

Ebenfalls knapp rekapitulieren: Der Angeklagte schildert es so… siehe Vortrag / VTE

II. objektive Beweismittel / Urkunden / Lichtbilder?

Siehe ZE Chron. Sofern Obj. BM überhaupt belastbar: Fotos / Videos – was sieht man denn wirklich sicher??) – Einordnung in straflosem Kontext!

Sofern – insofern – keine obj. BM, geht es einzig und allein um die Sicherheit und Belastbarkeit der HEUTIGEN menschlichen Erinnerung der vernommenen Zeugen!

III. Die subjektive Erinnerung von Zeugen?

Was haben die Zeugen / Zeuginnen heute bekundet? (Ist das denn strafrechtlich schlüssig?) Was kann man heute als sichere Erinnerung zugrundelegen? Nichts, was zu einer sicheren Feststellung führen würde: Denn…

C. Fazit/Würdigung:

I. ggf.: Zu den Anforderungen für eine strafrechtliche Verurteilung

Eine individuelle gerichtliche Strafe gegen einen Menschen, setzt den vollen sicheren Beweis voraus und jeder Zweifel muss zu Freispruch führen!

ZR kann man Schadensersatz verlangen, wenn ein Schaden verursacht wurde, dabei Fahrlässigkeit mitgespielt hat und sich der Verursacher hier nicht entlasten kann.

Eine Strafe fordert mehr! Erstens Sicherheit, was den damaligen objektiven Hergang betrifft und zweitens Sicherheit, dass damals subjektiv, beim Handelnden, der strafrechtlich relevante Vorsatz vorgelegen hat!

(1.) OTB! Für eine Verurteilung nach § … muss objektiv erfüllt sein:

(2.) STB! Strafbar ist aber nur vorsätzliches Handeln – § 15 StGB! Das heißt:

(3.) Das muss alles jenseits von Zeifeln heute – nach dieser Hauptverhandlung – feststehen ! im Zweifel für den Angeklagten:

Das Gericht muss überzeugt sein, dass genau der Angeklagte

  • selbst gehandelt hat
  • – oder als vorsätzlicher involvierter Mittäter oder vorsätzlicher involvierter Teilnehmer dabei war (und nicht nur dabei stand, oder vorbei kam, oder sogar helfen / trennen wollte)
  • Ist z.B. auch nur Notwehr möglich – es kann sein, dass er sich wehrte -, muss freigesprochen werden: § 16 StGB
  • selbst im Fall einer wirklich nachweislichen Beteiligung müsste festgestellt werden können, welche Folgen/Verletzungen durch Herrn / den Angekl. verursacht wurden. Er dürfte nicht für etwas bestraft werden, was mit ihm nichts zu tun hat! Ansonsten müsste er auch noch deshalb freigesprochen werden)

II. Hier konkret – Würdigung

– Akte hernehmen – / – Notizen hernehmen – / – Anstreichungen beachten – / PRÄGNANZ – es reicht, jeweils den einen unsicheren Aspekt, der zu Freispruch führt, ausführlich zu benennen – hier nicht an Zeit sparen, sonst schon! –

Fazit:

  • Beweisführung: unüberwindliche Widersprüche?
  • Materiell straflose Geschehensalternativen?
  • Mögliche Rechtfertigungsgründe?
  • Mögliche Schuldunfähigkeit / Entschuldigungsgründe?
  • Welche Folgen wären denn konkret überhaupt zweifelsfrei zuzurechnen?

D. Abschließender Antrag – Freispruch:

Freispruch: D. Angeklagte / B. wird auf Kosten der Staatskasse freigesprochen.

Beschlüsse aufheben: z.B. HB, zumindest aV; Aufhebung § 111a – Beschluss usw.

Real veranlassen: Herausgaben von noch sichergestellten Beweismitteln!

E. <> Zur Frage nach der strafrechtlichen Folge:

Zu Strafzumesssungserwägungen (zu Gunsten) – relativieren: Strafzumesssungserwägungen zu LASTEN

Muss denn hier eine förmliche Verurteilung erfolgen?

Zu den Varianten der Einstellung

Muss denn eine Verurteilung zu einer unbedingten Strafe erfolgen?

Zu völliges Absehen von Strafe / Zu Verwarnung mit Strafvorbehalt

Falls Verurteilung:

Siehe auch: Geldstrafenrechner; zu RFE S-RV 17. Abzüge, Ratenzahlung!

wieder zurück zum Ablauf